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Dienstag, 10. November 2015

Kingsbarns Distillery - Die neue Whisky-Brennerei in Fife

Gebaut in der malerischen Küsengegend East Neuk südlich von St Andrews überblickt die Brennerei einen der bekanntesten Championship-Golplätze Schottlands.  Die Eröffnung der neuen Kingsbarns Distillery im Dezember 2014 wurde mit grosser Spannung erwartet, denn die Brennerei hat bereits eine beeindruckende Whisky-Verbindung vorzuweisen noch bevor der erste Tropfen produziert wurde. Denn Eigentümer ist die Wemyss Familie, die sich als unabhängige Abfüller bereits einen Namen gemacht haben und vornehmlich Vatted Malts nach Geschmacks-und Geruchsrichtungen abfüllten. Die Whisky Verbindungen der Familie reichen bis ins 19 Jahrhundert zurück, so ist es nicht verwunderlich,  dass man nun auch eigenen Whisky destillieren möchte. Beim funkelnagelneuen Besuchszentrum, mit dem man
unter anderem das zahlungswillige Golfpublikum aus der
Nachbarstadt St Andrews anziehen möchte, hat man finanziell nicht gespart und die alte East Newhall Farm aus dem Jahre 1800 glanzvoll umgebaut und zum Teil behutsam restaurauriert. Trotz des hochglanzpolierten, touristischen Anstrichs sind die Führungen überaus interessant. In Ermangelung eines gereiften Whiskies können momentan vor allem Wemyss-Abfüllungen verkostet warden.

East Newhall Farm, Kingsbarns, Fife, KY16 8QE Telephone 01333 451300, www.kingsbarnsdistillery.com, Führungen £8, Besuchszentrum Okt-März  täglich 10-17 Uhr
Die passende Whiskyreise "Die Jungen Wilden" finden Sie unter http://schottland-reise.com/reisen/neue-brennereien-schottland/.
 
 

Sonntag, 27. Mai 2012

Interview mit Mark Davidson


Mark ist Manager von Cadenhead’s, Schottlands ältestem unabhängigen Abfüller. Das atmosphärische Geschäft auf der Royal Mile in Edinburgh wird von whisky-legasthenischen Touristen und Connaisseuren gleichermaßen aufgesucht. Mark veranstaltet unter dem Namen Jolly Tooper außerdem regelmäßige Whisky Tastings.

Man findet relativ wenige Informationen zum historischen Aspekt von Cadenhead’s. Was weisst du als Manager über den Beginn der Firma?

Ich bin gestern erst von einem Betriebsausflug von Sprinkbank, unserer Mutterfirma zurückgekommen, wo wir eine Menge gelernt haben. Cadenhead’s ist eine ziemlich alte Institution, 1842 in Aberdeen gegründet. Die Information, die von Generation zu Generation weitergeben wurde, ist etwas dünn, chinesisches Geflüster. Aber wir sind definitiv Schottlands ältester unabhängiger Abfüller. Mr. Cadenheads und Mr. Duffy gründeten wie die Chivas Brothers ihre Rum-und Whiskyhandelsfirma in Aberdeen, wo durch den Hafen, die Fischerei, die stationierten Soldaten eine große Population ansessig war und außerdem viel Handel mit Sherry, Rum, Wein und Whisky getrieben wurde. Whiskyfässer wurden zudem oft als Ballast für die Schiffe genommen, die Sklaven oder exotische Güter abholen sollten. Ausserdem soll das Geschaukel auf dem Schiff, wenn also der Whisky in den Fässern hin und herrollte, zur Reifung und einem speziellen Charakter beigetragen haben. Bis in die 60er Jahre, als der letzte Cadenhead noch lebte, handelte die Firma mit Spirituosen. Jeglicher Profit ging an eine gemeinnützige Organisation bis das Geschäft, der Name, die Flaschen und das Lager 1972 an Springbank verkauft wurde.

Was für eine Rollen spielten unabhängige Abfüller zu dieser Zeit?

In der Nachkriegszeit in den 50/60er Jahren nahm der Whiskykonsum und die Produktion stetig zu. Die Wirtschaft erholte sich und es etablierte sich der Luxus, schottischen Whisky zu trinken, der mit einem exotischen traditionellen Image daherkam. Man konnte förmlich den Reichtum sehen, wenn jemand Champagner, Cognac oder Whisky trank. Aber das war in fast allen Fällen Blended Whisky, der in riesigen Mengen relativ preiswert mit konituierlicher Qualität hergestellt und mit einer starken Identität versehen vermarktet werden konnte. Trotzdessen füllten Firmen wie Cadenhead’s, Gordon & MacPhail, Robert Watson in Aberdeen and Peter Thomson in Perth Single Malt für einen kleinen Nischenmarkt ab. Die Italiener zum Beispiel begannen Glen Grant zu trinken. Single Malts waren ein völlig neues Konzept, ein Produkt unbestimmt im Charakter und limitiert für einen kleinen Markt. Dies führte zu der Entwicklung, das wir heute Single Malts in Supermärkten und am Flughafen kaufen können. Der Markt blüht. Das Spektrum an verschiedenen Whiskies selbst aus der gleichen Brennerei ist verlockend groß.

Wie leicht oder schwer ist es , ein unabhängiger Abfüller zu werden?

Unabhängige Abfüller schießen die ganze Zeit aus dem Boden. Das Problem ist, den Whisky zu finden. Es ist nicht schwer die Kunden zu bekommen. Es gibt heuzutage mehr Kunden, mehr Abfüller und mehr Abfüllungen als jemals zuvor. Aber die Blendproduktion wird jährlich immer mehr vergrößert. Immer mehr Brennereien expandieren, Glenlivet, Macallan. Viele Whiskies werden ohne Altersangaben verkauft, und sind wahrscheinlich wesentlich jünger als 10 Jahre. Das hilft der Industrie, denn die Vorräte der 12 und 10 jährigen Whiskies neigen sich langsam dem Ende entgegen. Natürlich wird viel destilliert, aber wir produzieren jetzt Whisky, der in 10 Jahren getrunken wird. Aber so wie sich alles im Moment entwickelt, werden wir vielleicht nicht genug Whisky für die nächsten 3 Jahre haben.

Es ist also schwer, für unabhängige Abfüller Fässer von den Brennereien zu bekommen?

Diese Informationen sind kommerziell sensible Informationen. Niemand will natürlich zugeben, dass die Vorräte ausgehen und dass es schwierig ist, an Fässer heranranzukommen. Sonst würden die Fasspreise explodieren, (lacht), das tun sie ohnehin. Aber mit Kontakten ist es sicher nicht unmöglich. Man müßte, wöllte man als unabhängiger Abfüller ein profitalbes Geschäft machen, entweder in einer bestimmten Größenordnung oder mit hoher Gewinnmarge operieren. Manchmal tauchen unabhängige Abfüller auf, die unglaublich günstige Preise anbieten, aber in einer kleinen Größenordnung sind diese Preise nicht haltbar. Auch der Markt ist manchmal schwer berechenbar. Cardhu zum Bespiel wurde plötzlich in Spanien unheimlich populär. Niemand konnte diesen Verkaufsboom vorhersagen und einige der Cardhu-Lagerhäuser haben sicher mittlerweile viel leeren Platz. Ähnliches gilt für Macallan, besonders deren Sherry-Fässer. Macallan steht vor dem selben Problem: Unvorhergesehene Verkäufe und unverhergesehene Märkte führen zu einer schnelleren Expansion, so dass man mit der Whiskylieferung kaum noch hinterherkommt.

Gibt es eine Zukunft für kleine Boutique-Brennereien?

Das muss so sein, es gibt neue kleine Unternehmungen in Wick, in Ardnamurchan, auf Lewis und Barra, Annadale, Kingsbarnes, Fife. Einige werden erfolgreich sein, andere wohl eher nicht. Daftmill hat unter den neuen Brennereien eine besondere Stellung. Dort wächst die Gerste, die Gebäude waren vorhanden. Alles, was Francis (der Eigentümer) brauchte, war das Equipment und die Fässer. Die Destillerie produziert seit 6 Jahren und Francis hat noch keinen einzigen Tropfen verkauft. Das ist natürlich nicht die Norm. Niemand kann es sich leisten, für mehrere Hunderttausend Pfund eine Brennerei zu bauen und keine Einkünfte zu erhalten. Deshalb baut man Besuchszentren mit Cafe, druckt T-Shirts, verkauft New-Make Spirit und konzentriert sich auf die Touristen wie Kilchoman oder Arran Distillery bis der Whisky endlich die richtige Reife hat. Aber schön wäre es schon, mehr kleine Unternehmen und privat geführte Brennereien zu sehen.

Wie würdest du den schottischen Whiskymarkt im Vergleich zu anderen whiskyproduzierenden Nationen sehen? Gibt es eine Bedrohung für Scotch von der aufkommenden globalen Produktion?

Niemand kann die Entwicklung vorhersagen. Märkte wie Indien, Japan sind große Whisky produzierende Nationen. Nicht nur, was die Quantität betrifft. Gerade japanischer Whisky gehört zu den Top Whiskies der Welt. Aber auch in Deutschland, den Niederlanden usw. werden qualitative Tropfen hergestellt. Der Markt verändert sich ständig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Iren im 19. Jahrundert gedacht hätten, dass ihnen irgendwann mal nur noch 2 Brennereien übrigbleiben und Schottland die Whiskynation schlechthin wird. Aber auch in Schottland verlief die Entwicklung nicht ohne Rezessionen, Krisen und die Schließung Hunderter Brennereien.

Erinnerst du dich an Whisky aus deiner Kindheit?

(lacht). Naja, ich bin in Elgin aufgewachsen. Da gibt es 6 Brennereien. Die Luft ist sozusagen geschwängert von den Brenngerüchen. Mein Spielplatz war die Glen Moray Distillery. Ich erinnere mich auch, dass die Männer in unserer Familie oft einen Whisky-Atem hatten. 

Wie bist du zum Whiskyliebhaber geworden?

Ich habe Ingenieurswesen studiert und mochte es nicht. Dann wurde ich Lehrer und habe Mathematik unterrichtet. Aber desinteressierten Kindern Formeln einbläuen, hat mir dann bald auch keinen Spass mehr gemacht. Nach einer kurzen Karriere als Postmann habe ich dann in der Scotch Malt Whisky Society in Edinburgh gearbeitet und dort meine ersten fantastischen Drams probiert. Loch Lochry, Rosebank, Glenfarclas, Ardbeg. Von einigen Brennereien hatte ich noch nie etwas gehört. Dort fing wirklich alles an. Dort habe ich übrigens auch meine Frau kennengelernt. Wir haben damals in Leith gewohnt, direkt gegenüber den Vaults und beide in der Society gearbeitet. Hier hatte ich das Gefühl meine Leidenschaft für Whisky mit meiner Liebe zu unterrichten, verbinden zu können.

Wenn du die Resourcen hättest, eine geschlossene Brennerei wiederzueröffnen, welche wäre es?

Die Liste wäre endlos: Rosebank, Port Ellen - es gibt so viele Brennereien, die aufregenden Whisky produziert haben. Wenn ich mich aber auf die Rettung von wirklich nur einer Destillerie beschränken müßte, dann wäre das Brora.

Sonntag, 19. Juni 2011

Die Neue in Fife: Daftmill Distillery

Fife, der Landstrich auf der nördlichen Seite der Forth-Förde, hat seine eigene, neue Whisky-Brennerei: Daftmill. Diese haben wir uns an einem sommerlichen Juni-Wochenende angeschaut. Inmitten von Gerstenfeldern, in denen Mohnblumen flammen, an einem idyllischen Weiler liegt die Farm der Francis Familie, die 2005 zum ersten Mal zu destillieren begannen. Und das nach den pragmatischen Notwendigkeiten wie vor 200 Jahren. Im Sommer werden Gerste, Rüben, Kartoffeln angebaut, im Winter Whisky gebrannt. Der älteste Whisky ist mittlerweile 4 Jahre alt, soll aber erst nach 10 Jahren Reife in erstklassigen Fässern sein Publikum erfreuen.
Wir hatten glüchlicherweise die Ehre, einen “first fill bourbon casks” und einen ebensolchen aus dem Sherry Fass zu probieren. Letzterer erinnerte an Aberlours A' Bunadh und Gordon & MacPhail 12yo Imperial mit einem vollen, süßen, schwerflüssigen Körper. Er schmeckte ein wenig wie antike Ledersessel riechen in einer alten, staubigen, weisen Bibliothek. Mr.Cuthbert schien der Bourbon gereifte Malt mehr zu behagen, ist es doch sein erklärtes Ziel, die Tradition der leichten, fruchtigen Lowland Whiskies wiederzubeleben. Besuchen kann man die Brennerei nur auf Anfrage, kostenlos und unprätentiös, mehr zur Geschichte kann man nachlesen unter http://www.daftmill.com/.